Was ich wahrnehme

Wir leben in einer besonderen Zeit, denn wir haben 70 Jahre Frieden in Europa und die allermeisten von uns kennen es nicht anders. Das ist ein Geschenk und wir haben uns daran gewöhnt und nehmen es als Selbstverständlichkeit war. Jedoch führt dies auch dazu, dass wir bequem geworden sind, denn es läuft ja alles. Davon ist die Christenheit nicht ausgenommen, auch hier hat man sich daran gewöhnt, dass alles läuft. Sonntags Gottesdienst und in der Woche vielleicht noch die eine oder andere Veranstaltung. Eine Routine, die wie ich finde, wichtige Qualitäten an den Rand drängt. Denn wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass wir geistlich umsorgt werden und uns bequem zurücklehnen können. Der Wunsch nach Harmonie und Frieden scheint in vielen Gemeinden das höchste Gut geworden zu sein.

Und so schauen wir auf die Vergangenheit zurück und erheben uns über jene große christliche Helden, die für ihre Sache kämpfen mussten. Wir beurteilen sie und sagen, dass es gegen Gottes Willen ist, Gewalt anzuwenden und dass wir heute viel weiter sind, weil wir Christen so lieb und nett geworden sind. Besonders die Kreuzzüge scheinen uns wie ein Damoklesschwert darin zu drängen, dass das einzig Richtige ein völlig gewaltloses und widerstandloses Leben ist. Ein falsch verstandener Pazifismus gepaart mit einem rudimentären Geschichtsverständnis führt dazu, dass wir uns in Abscheu von unserer Vergangenheit abwenden und es “besser” machen.

Dabei merken wir gar nicht, dass wir längst auf der anderen Seite vom Pferd hinuntergefallen sind. Kampf und die Qualitäten eines Kämpfers werden heute nicht mehr gewünscht und viele Gemeindeprogramme stutzten uns zurecht, damit wir lieb und nett auf Linientreue sind. Hier und da reden wir noch vom geistlichen Kampf, allerdings oft sehr theologisch und sehr theoretisch, ohne uns überhaupt mit den Dynamiken und Gesetzmäßigkeiten von Kämpfen auseinandergesetzt zu haben.

Wir tun so als ob und merken gar nicht, dass wir im Grunde für den Schaukampf trainieren, in einem echten Kampf aber nicht den Hauch einer Chance hätten, weil wir gar nicht verstanden haben, wie Kampf abläuft geschweige denn funktioniert. Deshalb geben wir bei Widerstand lieber auf oder kämpfen halbherzig mit mittelmäßigen Erfolg, den wir dann noch als “Willen Gottes” bezeichnen. Besonders wir Männer leiden darunter, wenn auch nur unterbewusst, denn wir haben uns völlig von den Qualitäten der Männer vergangener Jahrhunderte verabschiedet. Wir träumen von den Idealen des Rittertum und halten sie hoch, aber wie sieht es im wahren Leben aus? Ist es nicht vielmehr so, dass die Moderne uns ein großes Erbe inklusive wichtiger Fähigkeiten genommen hat? Setze einen modernen Mann im Wald aus und er stirbt, setze ihn im Büro aus und er überlebt?

crusaders-legacy-sword-back-v0-20